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Eurovision: Das ist mehr als Fernsehen

Mai 13, 2018

Wer noch nie bei einem Song Contest war, der wird das “Gefühl ESC” nicht verstehen. Dennoch versuche ich es zu erklären. Vor knapp einer Woche habe mich alleine in den Flieger gesetzt und bin nach Lissabon gereist. Einsam war ich jedoch nie. Über Eurovision, eine Fan-Gemeinschaft und einen Wettbewerb, der am Ende weit mehr als Fernsehen ist. Mein Abschlussbericht:

Erstmal zu den wichtigen Sachen: Was für ein krasser Abend war das gestern? Österreich gewinnt das Jury-Voting und wird schlussendlich Dritter und holt damit das Beste Ergebnis nach den beiden Siegen von Udo Jürgens und Conchita. Das hat keiner erwartet! In der Halle vor Ort war die Spannung für mich fast nicht zu ertragen. Das war einfach so unglaublich. Schlussendlich holte sich jedoch Israel mit 529 Punkten den Sieg. Herzlichen Glückwunsch, Netta!

Jetzt zu meinem Fazit zu dieser Woche, es ist einfach schön: In der Halle, in der Stadt, im Hostel – einfach überall wird über den Wettbewerb gesprochen: Woher kommst du? Wer ist dein Favorit? Wie fandest du die Show? Nach den einzelnen Runden haben sich in den U-Bahnen Diskussionsrunden entwickelt: Haben die Favoriten überzeugt? Gruppen aus verschiedenen Nationen bilden sich, man redet, diskutiert, lacht. Dann geht man getrennte Wege. Und trifft die nächsten Fans an der nächsten Ecke. Und da ist es egal, ob es 10 Uhr morgens oder drei Uhr nachts ist. Es ist mein dritter ESC und es war bis jetzt jedes Mal das Gleiche. Eine schöne Stadt, ausgeflippte Musik und Menschen, die die Zeit bis zum großen Finale unvergesslich machen.

Es ist ein Wettbewerb, bei dem die Musik im Vordergrund steht. Wo einem Musik vorgestellt wird, wo man nicht mal wusste, dass sie existiert. Oder man gehofft hat, sie existiere nicht. Wo man sich über Gesang austauscht, auch, wenn man keine Ahnung hat. Wo jeder sofort eine Meinung hat. Verschiedene Stile, verschiedene Geschmäcker – alles an einem Ort. Wo man gackert oder auch mal zu einem Opernsong im Club tanzt. Wo man ständig die gleichen Lieder in Dauerschleife hört, aber es egal ist. ESC, das ist ein Wettbewerb, wo man Europa feiert. Ein Wettbewerb, wo man das Leben feiert.

Der ESC, das ist längst mehr als eine TV-Show. Ja, es schauen 200 Millionen Leute jedes Jahr, aber das ist sicherlich nicht der Grund, warum Fans aus der ganzen Welt, auch Australien, Brasilien, China und weiter, sich jedes Jahr ein neues Ziel in Europa suchen. Ein Ziel, wo Musiker sich duellieren, wer die besten drei Minuten abliefert.

Es ist ein Wettbewerb, bei dem Europa zusammenkommt. Building Bridges quasi. Oder getreu dem diesjährigen Motto: #AllAboard. Es ist eine Chance, sich als Land zu präsentieren, Kontakte zu knüpfen. Sich einfach für eine Woche fallenzulassen. Es sind die Menschen, die Momente in der Stadt. Wenn man neue Leute kennenlernt. Oder die tollen Menschen wieder trifft, die man vor Jahren bei einem anderen ESC kennengelernt hat. Oder wo sich die Fans des eigenen Landes treffen. ESC, das ist was ziemlich Cooles. Jeder, der es noch nicht erlebt hat, der sollte das nachholen. ESC, das ist für mich mehr als Fernsehen. ESC, das ist ein Phänomen.

Danke an alle, die diese Woche hier in Lissabon unvergesslich gemacht haben. Wir sehen uns in Israel!