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Wer gewinnt den ESC? Die große Ratlosigkeit

Mai 12, 2018

Heute Abend ist es soweit: 26 Finalisten kämpfen im wohl stärksten Finale der letzten Jahre um den Sieg beim Eurovision Song Contest 2018. Schwierig wie schon lange nicht mehr, ist es in diesem Jahr vorab einen klaren Favoriten auszumachen. Wer hat die größten Chancen? Viel hat sich in den letzten Tagen bei den Wettanbietern getan. Jetzt, so kurz vorm Finale, nehme ich deren Top 10 (Stand nach dem Jury-Finale, Samstag, 00:00h) unter die Lupe. Ein Songcheck:

ZYPERN – Platz 1:

Dass Zypern so weit vorne mitspielt, ist die wohl größte Überraschung des aktuellen Jahrganges. Die zypriotische Beyoncé, wie sie viele nennen, überzeugt mit heißen Rhythmen und ganz viel Feuer auf der Bühne. „Fuego“ bringt die Halle zum Beben und wäre definitiv ein würdiger Sieger. Der Clubhit des Jahres ist es auf jeden Fall: AH YEAH YEAH!

ISRAEL – Platz 2:

Von Anfang an war Israel der große Fan-Favorit. Die Powerfrau überzeugt mit witzigem Gegackere und starkem Auftritt. Doch bei allem Spaß, das Lied hat einen ernsten Hintergrund: Es geht um weibliches Empowerment – „I´m not your toy, you stupid boy“. Das Favoritenimage ist etwas gebrökelt, kann sie dennoch überzeugen?

IRLAND – Platz 3:

Für Irland geht Ryan O´Shuaghnessy an den Start, der in letzten Tagen einen massiven Aufstieg bei den Buchmachern hingelegt hat und nun auf Platz 3 rangiert. In seinem Song „Together“ geht es um die Liebe und zwar genau darum, dass Liebe Liebe ist – egal, wer wen liebt. In magischen drei Minuten vergisst man ganz, noch ein Lied zu hören, viel mehr folgt man der Geschichte der zwei männlichen Tänzer, die ein homosexuelles Paar mimen. Das könnte die große Überraschung sein!

So hat sich das Voting bislang verschoben (Quelle: https://twitter.com/Eurovisionario)

So hat sich das Voting bislang verschoben (Quelle: https://twitter.com/Eurovisionario)

FRANKREICH – Platz 4:

Feines Styling, tolle Stimme und ein emotionaler Song über ein Flüchtlingsmädchen namens Mercy: Das Duo Madame Monsieur hält sich auf der Bühne zurück, überzeugt aber durch einen gefühlvollen Song, der echt für Gänsehaut sorgt. Besonders Madame ist wirklich on point, die Haare zurückgelegt, die Schulterposter angelegt und dazu die roten Sneaker als schöner Kontrast. Man muss sie einfach gerne haben. Merci für „Mercy“! 

DEUTSCHLAND – Platz 5:

Das gab es bei Deutschland auch schon lange nicht mehr: Eine gute Platzierung bei den Wettanbietern. Doch bei Michael Schulte stimmt alles, das ist wohl der Song seines Lebens. Der im Sommer werdende Vater singt über den Verlust seines eigenen Vaters in frühen Jahren. „You Let Me Walk Alone“ ist in sich stimmig und wird durch schöne LED-Visuals untermalt. Gelingt die Sensation?

SCHWEDEN – Platz 6:

Was soll man groß zu Schweden sagen? Die Show sitzt wie in jedem Jahr, das Staging ist als Musikvideo inszentiert – Benjamin Ingrosso tanzt auf einer Wand aus LED-Leisten herum und sorgt dabei für gute Dance-Stimmung. Dass „Dance You Off“ sich ganz nach oben steigern kann, bezweifle ich.

LITAUEN – Platz 7:

Emotional wird es auch bei Litauen. Die Liebesballade „When We´re Old“ ist eine Ode an das gemeinsame Altwerden. Sehr zurückhaltend sitzt Ieva Zasimauskaitė im Scheinwerferlicht und schmettert ihre Ballade raus. Das große Highlight am Ende des Songs: Sie trifft auf ihren tatsächlichen Ehemann, innige Blicke. Das muss Liebe sein. Für mich ein schönes Lied, aber kein Siegersong!

NORWEGEN – Platz 8:

Der Gewinner aus 2009, Alexander Rybak, wagt sich erneut auf die Eurovision-Bühne und möchte mit „That´s how you write a song“ erneut den Sieg holen. Natürlich darf dabei auch nicht seine Violine fehlen. Das Lied ist austauschbarer Radiopop, der auch nur so weit vorne ist es, weil es von einem ehemaligen Gewinner gesungen wird. Mit dem „Rybak-Effekt“ zu gewinnen, fände ich schade. Im Wettbewerb gibt es so viel stärkere Songs.

ITALIEN – Platz 9:

Italien geht mit “Non Mi Avete Fatto Niente” an den Start. Es ist ein ernstes Lied über Terror und Krieg in Europa und dem Nahen Osten. Dazu finden sich am Bildschirm Schriftzüge in vielen Sprachen, damit das Italienische universal verständlich wird. Es wird mit Startnummer 26 die Show beenden. So wichtig das Thema ist, ich werde mit dem Gesamtpaket nicht ganz warm. Für mich definitiv kein Gewinner.

ESTLAND – Platz 10:

Es reiht sich nahtlos in die Siegersongs der vergangenen beiden Jahre an: Etwas Ruhiges, das aber trotzdem beeindruckt. Stimmgewaltig lässt Elina Nechayeva mit “La Forza” alle Emotionen raus. Die Opernsängern sticht vor allem mit ihrem 80.000€ LED-Projektions-Kleid hervor. Überraschend: Sogar im Club funktioniert die Opernnummern als geiler Dance-Hit. Definitiv eine würdige Siegerin!


Persönlich muss ich sagen, ich habe noch weitere Lieblinge, die es auch verdient hätten zu gewinnen, bei den Buchmachern aber gerade nicht in den Top 10 sind:

AUSTRALIEN – Platz 12:

Zu Jessica Mauboy habe ich vor ein paar Tagen schon alles gesagt. Die Frau ist einfach toll. Ihr Song mindestes genauso. #WEGOTLOVE bringt die zahlreichen australischen Fans zu Höchstleistung. Hoffentlich auch das Publikum in Europa!

TSCHECHIEN – Platz 13:

Mikolas Josef setzt mit seinen Tänzern auf einen Musikvideo-Look. Nachdem er sich bei der ersten Probe verletzt hat, muss er sich bei den Tanzeinlagen stark zurückhalten. Das hält ihn nicht auf im Schulboylook alles zu geben. Er ist in it to win it. Mikolas ist ein total charismatischer Typ und das Lied (“Lie to Me”) ist eingängig. But God damn it, come and count to three..

FINNLAND – Platz 14:

Saara Aalto, die ewige Zweite, hat endlich Lust auf den obersten Platz am Treppchen. Der Castingshow-Star aus England darf nun für Finnland ran. “Monsters”, ein wirklich starker Song, der auf der Bühne mit allerhand Spielzeug und Pyro noch stärker wird.


Aber um ehrlich zu sein: In diesem Jahr ist die Teilnehmerriege im Finale stark wie lange nicht. Ich habe keinen klaren Favoriten und denke, es haben echt viele es in diesem Jahr verdient. Ich gönne es wirklich den meisten Ländern (Litauen, Italien und Norwegen würden mich jedoch überraschen), hier sind meine großen Favoriten:

        

Wer holt den Sieg? Mögen die Spiele beginnen! Die Show live ab 21 Uhr auf ORFeins