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Sieben Siegertypen für den ESC2019

Mai 18, 2019

Künstlerische und musikalische Vielfalt zeichnen den ESC aus und dennoch haben sich über die Jahre verschiedene „Typen“ herausgebildet, die wir immer wieder zu sehen bekommen. Heute Abend steigt das Finale des 64. Song Contests und so kurz davor habe ich mir die verbliebenen 26 Acts angeschaut, die unterschiedlichen Persönlichkeiten analysiert und für euch zusammengefasst, wer ganz gute Chancen auf den Sieg hat. Acht Länder, sieben potenzielle Siegertypen: 

Der Gefühlvolle: Die Niederlande

Der große Favorit ist seit Wochen der Niederländer Duncan Laurence. Mit seiner gefühlvollen und zerbrechlichen Ballade „Arcade“ berührt er die Herzen der Zuschauer und sorgt für Gänsehautmomente. Die Show ist definitiv nicht überladen, der drahtige und stylebewusste Newcomer steht ganz im Fokus mit seinem Piano. Auf jeden Fall ein beeindruckendes Gesamtkonzept! Und der gefühlvolle Typ hat immer schon die Herzen erobern können. Ob er seiner Favoritenrolle gerecht wird?

Der Wiederkehrer: Russland

Einige Künstler kehren regelmäßig zurück zum Song Contest und treten nochmal an. So auch in diesem Jahr Sergey Lazarev, der nach dem dritten Platz 2016 noch eine Rechnung offen hat. Der Russe ist wie schon vor drei Jahren „in it to win it“. Mit einem ganz anderen Song als damals („Scream“) probiert er es erneut und zeigt uns alle Emotionen in einer erneut sehr durchdachten – und technikintensiven – Performance auf der Bühne. 

Der Überraschende: Aserbaidschan & Australien

Jedes Jahr gibt es dann auch noch die Acts, die man anfangs gar nicht auf dem Sieger-Radar hat. Deshalb haben sich hier gleich zwei Überraschungskünstler ins Favoritenfeld vorgearbeitet. Da wäre einerseits Chingiz aus Aserbaidschan, der mit seinem Song „Truth“ antritt. Auf der Bühne wird sein Herz durch ein Künstliches ersetzt – Roboter inklusive. Und eines muss man Aserbaidschan lassen: Auf Instagram fährt Chingiz die letzten Tage eine sehr professionelle Social Media-Strategie mit vielen Backstage-Videos, Storys, Einblicken – und auch nackter Haut. 

Und dann ist da noch Australien. Die sympathische Kate Miller-Heidke wurde anfangs für ihren Song „Zero Gravity“ stark kritisiert, nach der ersten Probe war das aber verflogen – im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der Bühne schwebt sie schwerelos im All und die hebt die Zuschauer in eine neue Dimension. Ein Sieg Australiens ist nicht undenkbar, bei den Wettanbietern ist sie mittlerweile auf Platz. Und jetzt alle: Ahhh Ahhh Ahhh Zero Gratvity….

Der Toleranzbeauftragte: Frankreich

„Love love peace peace“ ist der Schlüssel zum Sieg? Das haben schon die Moderatoren in Schweden 2016 in ihrem Song versucht zu erklären. Spätestens seit Conchita ist aber klar, dass ein Song mit tiefergehender Message überzeugen kann. Bilal Hassani ist 19, schwul und singt in seinem Song „Roi“ (deutsch: König) über Selbstakzeptanz: „The song is about self-acceptance, but the message was way wider than me, it went above me. People all over the world were very touched“, fasst Bilal Hassani bei der Eröffnungszeremonie vergangenen Sonntag die Bedeutung seines Song zusammen. 

Der YouTuber wurde vielfach im Internet gemobbt, hat Morddrohungen bekommen. Jetzt steht er mit als Frau mit übergewichtiger Tänzerin und Tänzerin mit Zeichensprache auf der Bühne und möchte mit seiner Performance ganz klar für mehr Toleranz sorgen. Bei den Wettanbietern ist er nach seinen ersten Proben in die Top 3 aufgestiegen, die vergangenen Tag aber wieder abgerutscht. Geht’s für ihn wieder rauf? 

Der Allrounder: Schweiz 

Die Schweiz schickt Luca Hänni ins Rennen und er sicherlich das perfekte Gesamtpaket, ein Allrounder, wie er im Buche steht. Der 24-jährige Schweizer kann singen, tanzen und das mit einer so herzlichen Ausstrahlung, dass man einfach mittanzen muss. „She Got me“ oder wie man eher sagen sollte: Luca got the fans. Aber got Luca auch das Zeug zu gewinnen? 

Die Skurillen: Island

Wenn man sich vom ESC an Performances erinnern kann, dann sind es die ganz Skurrilen und da hat sich über die letzten Jahrzehnte einiges angesammelt, von Alf Poier („Weil der Mensch zählt“) über polnische Butterstampferinnen (2014) bis Stefan Raabs „Wadde hadde dudde da“ war schon viel – nennen wir es mal – „Besonderes“ dabei. Nach dem Sieg von Lordi im Jahr 2006 hat wieder Hard Rock/Heavy Metal die Chance zu gewinnen. Mit der isländischen Band Hatari soll das klappen und ihr Lied „Hatrid mun sigra“ provoziert (zu deutsch heißt das „Hass wird siegen“) und dabei hat der Song eine tiefere Bedeutung, wie die Band am orangenen Carpet bei der ESC-Eröffnung erklärte: „If we don’t unite or form peace, than hate will prevail“. Kann Hass siegen?

Der Schwede: Schweden

Und dann gibt es noch eine Kategorie an Künstler, die nur die Schweden können: Schwedisch sein. Beim ESC steht das für pure Perfektion: Jedes Lied, jeder Schritt, jede Kameraeinstellung ist bis ins letzte Detail perfektioniert. Da wird nichts dem Zufall überlassen. John Lundvik soll dieses Mal mit seinem Gospel-Pop „Is it too late for love?“ gewinnen und könnte damit den siebenten Gesamtsieg für Schweden holen, das wäre dann Sieggleichstand mit den Iren. Bei den Wettanbietern ist er auf Platz 3. Meine Sorge: Die Zuschauer! Schon im vergangenen Jahr gab es fast keine Publikumspunkte, obwohl die Jurys den Song sehr hoch bewertet haben. Ob dieses Schicksal erneut droht? 

Favorit, Perfektion oder doch eine komplette Überraschung? Ich muss sagen, von den hier vorgestellten acht Ländern gönne ich es tatsächlich allen zu gewinnen. Welcher Typ schlussendlich siegt und das das Finale des 64. Eurovision Song Contests für sich entscheidet? Ich tippe auf Australien, Frankreich und die Niederlande. Wer es tatsächlich wird? Die Party des Jahres startet um 21 Uhr, dann wissen wir mehr!