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Deutschlands ESC-Hoffnung Malik Harris im Interview: „Will jede Bühne dieser Welt bespielen“

Mai 13, 2022

Bevor Malik Harris heute Deutschland beim Song Contest vertreten darf, habe ich ihn in Turin zum Interview getroffen. Ein Gespräch über das Leben als Rockstar, seine Erwartungen an den ESC und die Siegeschancen der Ukraine.

Du bist immer so entspannt, so ruhig: Bist du das jetzt knapp vor deinem Auftritt auf der ESC-Bühne immer noch?

Malik Harris: Ja, absolut! Ich bin sehr entspannt, ich freue mich mega auf den Auftritt und genieße das alles, das ist ja wirklich eine wilde Reise, die man hier so mitmacht. Das macht total viel Spaß, gerade nach der Corona-Zeit wieder diesen ganzen Trubel zu erleben, wieder so viele Leute zu treffen, diese Künstler aus der ganzen Welt, das ist total spannend. Ich freue mich mega, das alles auf die Bühne zu bringen!

Wie können sich die Zuschauer deine Performance im Finale vorstellen?

Es ist auf jeden Fall sehr intim, was mir sehr wichtig war. Ich habe versucht möglich wenig Ablenkung zu schaffen, damit die Leute wirklich auf den Song achten, die Geschichte, die ich erzähle und sehr nahe bei mir sind. Was die Inszenierung betrifft, haben wir es hinbekommen, mein Studio auf die Bühne zu bringen. Ich habe lange im Musikstudio gewohnt, ich hatte da ein Sofa, eine Küche und habe da gepennt. Ich bin jeden Morgen aufgewacht und hatte Perserteppiche, Flügel und Drumset um mich herum und genau diese Szenerie haben wir jetzt auf die Bühne gebracht. Ich steppe auf diese gigantische Bühne vor zigtausend Menschen und fühle mich trotzdem wie zu Hause.

Ist die Bühne dein zu Hause?

Auf jeden Fall, da fühle ich mich am Wohlsten!

Es geht in deinem Song „Rockstars“ darum, die unbeschwerte Zeit, die man als Kind hatte, wieder zurückzuholen und öfter im Hier und Jetzt zu sein, sich zu freuen, als immer nur Sorgen zu haben. Wie stellst du das an, diese unbeschwerte Zeit im Jetzt zu haben?

Es ist vor allem wichtig, dass wir versuchen sollten im Moment zu sein, das ist das, was Kinder ausmacht. Die denken nicht an morgen, die denken nicht an gestern, die sind im Hier und jetzt und nehmen alles auf. Das ist etwas, das wir leider ab einem gewissen Zeitpunkt ablegen. Da sollten wir versuchen uns Momente zu schaffen. Für mich ist das zum Beispiel, wenn ich „Rockstars“ höre oder spiele, das erinnert mich jedes Mal wieder dran: „Oh Malik, sei mal kurz im Moment, saug das auf, was hier gerade passiert!“

Bist du ein Rockstar?

(lacht) Wenn dann nur auf der Bühne, weil da gehe ich immer sehr ab, privat bin ich eher ein entspannter Typ.

Hast du ein Ziel für den ESC?

Ich habe zwei Ziele: Einerseits die Bühne zu verlassen und zu wissen, ich habe mein Bestes gegeben und zum Anderen zu wissen, ich habe total Spaß gehabt und es total genossen. Wenn ich weiß, ich habe beides geschafft, habe ich alles erreicht!

Der Platz am Ende ist egal?

Der Platz ist vollkommen egal!

Die letzten beiden Jahre lief es für Deutschland beim ESC nicht gut, besonders vom Publikum gab es null Punkte. Hast du Angst, dass dir das auch passieren kann?

Ne, tatsächlich nicht, generell sehe ich den ESC gar nicht als Wettbewerb. Ich finde man kann Musik nicht in gut oder schlecht aufteilen. Das ist Kunst, das ist Geschmacksache. Der ESC ist viel mehr ein friedliches und harmonisches Zusammenkommen von Ländern und Kulturen, die sich an einem Abend treffen und gemeinsam Musik machen, das ist so eine geile Sache, da rückt der Wettbewerbsgedanke so weit nach hinten, das alles andere vollkommen irrelevant ist.

In Deutschland wird man für sein schlechtes Abschneiden schnell abgestraft, wie gehst du mit Hate und Kritik um?

Das ist mir relativ egal, ich bin da zum Glück super entspannt. Bei mir ist auch so, wenn ich einen Kommentar lese, wo jemand schreibt, wie mein Song ihm geholfen hat in einer schwierigen Lebenssituation, wiegt das sechstausendbilliarden Kommentare, die das Gegenteil behaupten, auf. Von daher ist mir das vollkommen egal, jeder darf seine Meinung haben. Ich mache ja nicht Musik für jeden, ich mache Musik für mich und für die, die es schön finden. Ich habe genug Vertrauen in mich, meine Leidenschaft und meine Liebe zur Musik als dass mich das aus der Bahn wirft.

Wie ist denn diese ganze ESC-Zeit hier in Turin für dich?

Ich funktioniere nur noch, ich lebe nur noch von Stunde zur Stunde gerade, weil jeder Tag so vollgepackt ist. Das ist schon seit ein paar Wochen so. Jeden Tag von acht Uhr morgens bis ein Uhr nachts durchgepowert, hier in Turin wird es meistens sogar drei Uhr nachts. Ich will diesen Trubel aber ja auch wieder erleben nach Corona. Manchmal wäre ein bisschen mehr Schlaf cool.

Die deutsche Botschaft hat in Turin zum Empfang geladen und auch die ukrainische Band eingeladen. Malik Harris und das Kalush Orchestra haben zusammen den Song der Ukraine „Stefania“ performt.

Was ist es für ein Gefühl, mit dem Kalush Orchestra gemeinsam auf einer Bühne zu stehen?

Es ist eine große Ehre, definitiv. Das macht mich selber sprachlos, obwohl ich sonst eine Labbertasche bin. Das hat schon eine Größe für mich, da sieht man wieder welche Macht Musik hat. Sie sprechen kein Wort Englisch, ich spreche kein Wort ukrainisch und trotzdem haben wir es hinbekommen, zusammen einen Song zu spielen.

Hat die Ukraine Siegeschancen?

Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn die Ukraine den Sieg dieses Jahr holt. Gerade jetzt wäre es wichtig ein Zeichen zu setzen! Das schönste Zeichen, was wir als ESC senden könnten, wäre die Ukraine zum Sieger zu erklären. Und zu dem muss ich natürlich sagen, feier ich die Nummer euch extrem und die Band eh!

Zwei Tage nach dem ESC startet deine erste eigene Tour: Wie geht es nach dem ESC weiter? Hast du Blut geleckt, die großen Bühnen der Welt beziehungsweise erstmal von Deutschland zu entdecken?

Das war ja schon immer das Ding bei mir, ich liebe nichts mehr als auf großen Bühnen zu stehen vor möglichst vielen Leuten. Ich habe vor ein paar Tagen vor 20.000 Leuten in Turin gespielt, was mega fett war. Ich bin froh, dass nach Corona das alles wieder losgeht. Am liebsten will ich jede Bühne dieser Welt bespielen.

Malik Harris tritt am Samstag im Song Contest Finale auf dem 13. Startplatz an, direkt vor ihm tritt die Ukraine auf. Die Wettanbieter sehen Malik Harris im Moment auf dem 24. Platz von 25. Startern.

Über Malik Harris: Malik ist 24 Jahre alt und deutsch-amerikanischer Popsänger und Songwriter. Sein Vater ist der bekannte Talkshowmaster Ricky Harris, aufgewachsen ist er in Bayern in einem sehr musikalischen Familienumfeld. Seine erste Single veröffentliche er 2018. Im März setze sich Harris gegen fünf Konkurrenten im deutschen ESC-Vorentscheid durch. Seine Tour startet am Montag, den 16. Mai in Hamburg und umfasst insgesamt sechs Konzerte