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Song Contest 2019: Warum ich nicht nach Israel fahren werde

Februar 24, 2019

Nach und nach werden die TeilnehmerInnen und deren Songs für den Eurovision Song Contest 2019 bekannt. Man könnte meinen, die Stimmung bei den ESC-Fans ist gut, die Vorfreude groß. Doch eine Nachricht diese Woche hat für Unmut gesorgt: Die Ticketpreise für die Shows in Tel Aviv. Was es damit auf sich hat und warum auch das ein Grund ist, dass ich dem Song Contest in diesem Jahr fernbleiben werde, schildere ich euch hier kurz. 

Noch genau zwei Wochen haben die 42 teilnehmenden Länder Zeit, ihren Beitrag für Tel Aviv einzureichen und zu veröffentlichen, Stand heute sind 18 Songs bekannt. Acts kennen wir bereits einige mehr, ihre Song folgen bald – abhängig davon, wann die einzelnen Sendeanstalten sie veröffentlichen. Mit den ersten Songs geht natürlich schon das große Raten, Bewerten und Hören der Beiträge in Dauerschleife los. Normalerweise ist das die Zeit, schon mal abzuchecken, wen man alles dieses Jahr so live im Gastgeberland sehen wird. Doch dieses Jahr ist das anders.

#DareToDream to Afford some tickets

Angefangen hat diese Woche die ganze Diskussion mit den Ticketpreisen für die Shows vor Ort in der Arena: So fangen die billigsten Karten für den diesjährigen ESC bei 85€ an – für die Proben wohlgemerkt. Zum Vergleich: Beim Song Contest in Wien 2015 gab´s Tickets ab 18€. Die teuersten Karten, fürs Finale am 18. Mai, kosten umgerechnet knapp 490€. Die vollständige Preisliste (ILS = israelische Schekel):

Live-Shows

         Semi-Finale              Finale
Sitzplätze      750 ILS (€183)      1150 ILS (€280)
Bessere Sitzplätze      1000 ILS (€244)      1350 ILS (€329)
Golden Circle Stehplätze      1150 ILS (€280)      1500 ILS (€366)
Prime-Sitzplätze      1250 ILS (€305)      1700 ILS (€414)
Green Room VIP      1000 ILS (€244)      2000 ILS (€487)

Proben

         Semi-Finale              Finale
Sitzplätze      350 ILS (€85)      500 ILS (€122)
Bessere Sitzplätze      750 ILS (€183)      1000 ILS (€244)
Golden Circle Stehplätze      900 ILS (€219)      1150 ILS (€280)
Prime-Sitzplätze      1000 ILS (€244)      1250 ILS (€305)

Auf Twitter wurde sich nach Bekanntwerden direkt über die Preise amüsiert:

Doch bei allem Spaß hagelte es Kritik. Ein User bringt die Preise in Relation:

Grund für die hohen Ticketpreise sind einerseits die Größe des Expo-Centers (aufgrund der großen Bühne passen statt wie ursprünglich 10.000 geplanten Besuchern nur 7.300 Zuschauer in die Halle) und andererseits die hohen Produktionskosten (von Anfang an gab es Finanzierungsschwierigkeiten, jetzt gibt man die sehr hohen Ausgaben – angesetzt sind 28,5 Millionen Euro – einfach an die Fans weiter). Hinzu kommt der hohe Lebensstandard: Israel ist allgemein teurer als die meisten europäischen Länder, das schlägt sich laut “Jerusalem Post” auch auf die Kosten für die Eintrittskarten nieder. 

Seit einiger Zeit wird auch spekuliert, dass Madonna im Finale als Pausenact auftreten soll. Medienberichten zufolge soll ihr Auftritt mit zwei Liedern dem Sender KAN alleine über 1 Millionen Euro kosten. Das sind bislang jedoch nur Gerüchte. 

So oder so: Die Folge der astronomischen Preise wird sein, dass die Halle leer bleiben wird. Schon im vergangenen Jahr in Lissabon war die Arena stellenweise schlecht gefüllt und da wurden Karten ab 35€ verkauft:

Ganz dem Slogan #DareToDream (deutsch: wage zu träumen), kann man also nur träumen, dieses Jahr beim Song Contest dabei zu sein. Für viele Fans ist der Traum vom ESC bereits aus finanziellen Gründen vorbei. Doch es ist nicht alleine der finanzielle Aspekt, der einem die Lust auf die Teilnahme vor Ort verdirbt.

Man könnte meinen Israel sind die (internationalen) Fans egal 

Denn zu dem Fakt, dass die Tickets unglaublich teuer sind, kommt die Tatsache, dass die Karten für internationale Fans in diesem Jahr noch eingeschränkter verfügbar sein werden als bisher. Von den 7.300 verfügbaren Karten pro Show sollen nur rund 4.000 für Liebhaber aus der ganzen Welt in den Verkauf gehen. Der Rest ist dem Sender, Delegationen und Sponsoren vorbehalten.  

Jedes Jahr bekommen außerdem die Fanclubs in ganz Europa Ticketpakete gebündelt für mehrere Shows zur Verfügung gestellt, um den Menschen, die den ESC zu dem machen, was er ist – den Fans – die Möglichkeit zu geben, vor Ort für Stimmung zu sorgen. Waren das bislang rund 1.500 – 2.000 Pakete pro Jahr, vergibt Israel gerade einmal 500 Packages in diesem Jahr.

  • Eurovision 2014: 2,000
  • Eurovision 2015: 2,000
  • Eurovision 2016: 2,570
  • Eurovision 2017: 1,000
  • Eurovision 2018: 1,700
  • Eurovision 2019: 500

Dabei muss weiters erklärt werden: Normalerweise werden diese Pakete auch vergünstigt angeboten (in Lissabon konnte man damit die sechs Abendshows, 3 Mal Jury-Show und 3 Mal Live-Show, zum Beispiel im Stehplatz für 365€ kaufen). Auch hier verhält sich der Sender KAN den Fans gegenüber verständnislos und bietet kleinere Pakete mit weniger Shows an – aber teilweise zum vollen Preis: So zahlt man für die drei TV Live-Shows am Stehplatz stolze 925€. Nur für die Karten, um das nochmals zu betonen! Anreise, Übernachtungen und Ausgaben vor Ort kommen wohlgemerkt noch hinzu. So kann eine Urlaubswoche in der ESC-Zeit schon schnell mehrere tausend Euros kosten.

Wenn man das so liest, könnte man fast meinen, die (internationalen) Fans sind Israel egal. Und spätestens da ist für mich der Punkt gekommen, zu sagen, ich mach das nicht mit. Irgendwo ist Schluss! Das ist kein Boykott gegenüber der Veranstaltung, sondern ein Zeichen, um zu zeigen, dass man mit den Leuten, die dem Wettbewerb am nächsten stehen, nicht alles machen kann. Sonst werden diese Preise in den nächsten Jahren gar zur Normalität. Schade finde ich, dass die EBU und deren ESC-Verantwortlichen gegen die Preise und den Umgang mit Fans nicht gehandelt haben. 

Ich bin mir sicher, dass Tel Aviv am Ende eine krasse Show präsentieren werden. Dass Israel eine gut gelaunte Feiernation ist, ist kein Geheimnis. Aber das Ganze – um jeden Preis – auf den Rücken der Fans auszutragen, ist für mich nicht tragbar. Deshalb werde ich in diesem Jahr nicht nach Israel fahren. Schade! Und trotzdem darf man noch träumen: Von einem guten Song Contest und Ticketpreisen, die man sich in Zukunft auch wieder leisten kann und will. Dare to dream…


In den nächsten Wochen werde ich euch hier natürlich wieder zum aktuellen Song Contest auf dem Laufenden halten